Sei mir nicht böse, aber das ist ganz sicher keiner dumm oder hat keinen Plan.
Von dumm hat niemand gesprochen. Aber belegbar hat VW keinen Plan von Software. VW hat 7-10 Mrd. bei Cariad verbrannt und wickelt Cariad nun mehr oder weniger ab, weil man mit der bisherigen Software völlig gescheitert ist. Die Software, die in unseren Tavascans verbaut ist, die ist mehr oder weniger schon tot. Weil VW für die Zukunft auf die Architektur und Software von Rivian setzt (bzw. für China auf die von Xpeng) wird es für unsere Autos wahrscheinlich nur noch das Nötigste an Software-Wartung geben.
Die Probleme lagen und liegen nicht daran, dass wir in Deutschland keine fähigen Entwickler haben. Es liegt an Fehlern des Top-Managements, dass 10 Jahre lang keinen Plan von Software hatte. Während andere Hersteller schon lange Autos um einen Zentralrechner und die Software herum entwerfen, hatte Software bei VW immer noch den Status eines x-beliebigen Zuliefererteils. Dauernd wurden Anforderungen an die Software von Cariad geändert und Cariad war dann immer im Verzug. Mehrfach wurden verdiente "Motorguys" von VW zum Chef von Cariad gemacht, die den Laden sanieren sollten, aber null Plan von Software hatten und alles nur schlimmer gemacht haben. Dann kam anfangs noch das Controlling von VW und hat nur leistungsschwache CPUs verbauen lassen, um 3 Euro zu sparen, womit man sich riesige technische Schulden für die Softwareentwicklung aufgehalst hat.
Aus 2 Gründen gibt es winzige Fünkchen Hoffnung:
1. Es kann für den Hersteller durchaus wirtschaftlich vorteilhaft sein, alle ausgelieferten Fahrzeuge nach Möglichkeit auf die selbe Softwareversion zu bringen (z.B. 6.x). Findet sich später ein Bug, gibt es technische oder regulatorische Änderungen (z.B. hinsichtlich eCall/Mobilfunk), dann muss man nur ein einziges Update ausrollen. Hat man x verschiedene Softwareversionen im Bestand (5.0, 5.2, 5.4, 6.0, ...), muss man dann x Updates bauen und ausrollen, was natürlich mehr Aufwand und Kosten verursacht.
2. VW könnte feststellen, dass sich das ein oder andere Feature zu niedrigen Kosten rückportieren lässt und auf die Idee kommen, dass sich mit kostenpflichtigen OTA-Updates für neue Feature Geld verdienen lässt (über den integrierten Store).
Wenn Medienberichte stimmen, läuft es auch mit der Software von Rivian schlecht. Auch da wieder Inkompetenz des Top-Managements. Das hat offenbar angenommen, das Rivian für die 5 Mrd. eine ziemlich fertige Software in das Joint-Venture einbringt. Nachdem der Deal abgeschlossen war, hat VW festgestellt, das sehr viel fehlt und erst noch entwickelt werden muss (offenbar nicht, weil Rivian das nicht kann, sondern weil das nicht Bestandteil des Deals war). Und nun hängt man mit der Software von Rivian genau so hinterher wie mit der von Cariad. Weil: VW hat keinen Plan von Software.