Alles anzeigenDas einzige Szenario, in dem das nicht reicht, ist, wenn an 2 Tagen hintereinander grob 300 km gefahren werden sollen. Bei mehr als 300 km wird man eh einen Schnelllader unterwegs ansteuern. Und 2 Tage hintereinander 200 km oder so, gehen auch mit 3,7 oder 4,2 kW Ladeleistung. Vor dem ersten Tag auf 90% aufladen und dann nachts noch mal 150 km nachladen.
Bei den Wallbox-Kosten liegt meines Erachtens auch ein weit verbreiteter Irrtum zur Elektromobilität. Viele sagen sinngemäß "Elektroauto lohnt nur, wenn man günstig zu Hause laden kann". Die Kosten für eine vom Fachbetrieb installierte und ordnungsgemäß beim Verteilnetzbetreiber angemeldete Wallbox liegen bei 2.000-5.000 Euro. Selbst wer schon Drehstrom im Carport oder in der Garage zu liegen hat: Meist (längenabhängig) will der Elektriker für 11 kW (= 16A Dauerlast) ein Kabel mit 4mm² Aderstärke haben und üblicherweise liegen nur 1,5mm² oder 2,5mm². Auch wenn es am Stromkabel nicht scheitert, hat niemand eine Steuerleitung in Carport oder Garage zu liegen, weil so etwas bisher niemand gebraucht hat, also müssen so oder so neue Kabel für die Wallbox gezogen werden. Und (siehe Ausgangsfrage) es muss ggf. auch noch die Verteilung erneuert werden.
Wenn man die statistisch durchschnittlichen 14.000 km im Jahr fährt, im Schnitt 18 kWh/100 km verbraucht und zu 100% zu Hause lädt, zieht man im Jahr 2.500 kWh an der heimischen Wallbox. Realistisch gerechnet (4% Verzinsung) und die 2.000-5.000 Euro Investitionskosten für die Wallbox über 20 Jahre umlegt, muss man dann pro geladener kWh 6-15 Cent für die Wallboxkosten einpreisen. Wenn die kWh zu Hause 28 Cent kostet, ergeben sich effektiv 34-43 Cent/kWh an Gesamtladekosten. An vielen öffentlichen AC-Ladern kann man 39 Cent/kWh laden.
Soll heißen: In vielen Fällen verhageln die Kosten für die heimische Wallbox die ach so rosige Rentabilitätsrechnung und zu Hause Laden ist per se gar nicht sooo günstig. Meine Annahmen, dass man zu 100% zu Hause lädt und die Wallbox 20 Jahre hält, sind dabei eigentlich noch Schönrechnerei zugunsten der Wallbox.
Ich will eine Wallbox damit gar nicht schlecht machen. Wenn eine große PV vorhanden ist oder es 2 oder 3 BEV im Haushalt gibt, sieht die Rechnung schon wieder anders aus. Und natürlich ist die Einstellung legitim, dass einem der Ladekomfort zu Hause den Preis wert ist. Aber die Kosten für eine offizielle Wallbox sind im überregulierten Deutschland einfach exorbitant hoch.
Bei mir läuft deshalb auch eine gedrosselte "mobile Wallbox" für 125 Euro an einer CEE-Dose. Die Wallbox kann Wifi und ist wie der Tavascan in Homeassistant eingebunden und das reicht für meinen Bedarf locker aus. Dass dadurch die Ladeverluste etwas höher sind, ist mir bewusst.
Alles eine Frage der Perspektive, klar.
Trotzdem Widerspruch von mir.
Die Wallbox sollte auch im Worst-Case nicht mehr als 2,5k € kosten. Hab gerade erst ein solches Angebot gesehen (10m 4mm² + Steuerleitung verlegen, Fronius Wattpilot, komplette Installation + Material für 2,5k €). Das fand ich schon absurd teuer. Wenn die Verteilung erneuert werden muss, dann hat sie das wahrscheinlich auch nötig. Kein Grund das der Wallbox in die Schuhe zu schieben... In jedem Fall ist die Wallbox selbst der kleinere Part der Investition. Daher halte ich es für legitim, das auf 20 Jahre oder länger zu rechenn. Das verlegte Kabel liegt dann immer noch und tut seinen Dienst, selbst wenn die Wallbox mal getauscht werden muss.
Zu den Stromkosten an der Wallbox: ich lade bei Octopus zwischen 0:00 und 5:00 Uhr für 19 ct/kWh (und habe gehört, dass das noch ein vergleichsweise schlechter Preis ist).
Wenn ich nur diese beiden Werte in deine Rechnung einfüge, kostet mich die kWh effektiv 30 ct.
Bei einem Bedarf von 2.520 kWh p.a. spart das im Jahr ~ 230 € ggü. öffentlichem Laden und die Wallbox hat sich nach ca. 11 Jahren rentiert.
Wenn du die WB für weniger 2,5k Euro beschaffen kannst, rentiert sie sich schneller.
Wenn du mehr als 14.000 km im Jahr fährst, rentiert sie sich schneller.
Wenn du nicht 4% Verzinsung annimmst, rentiert sie sich schneller.
Wenn du öffentlich für mehr als 38ct laden musst, rentiert sie sich schneller.
Es gib also viele Variablen, die sich auf die Rentabilität auswirken.
Am Ende muss das jeder für sich entscheiden.